Datenskandale: Braucht Deutschland einen Datenschutzminister?

11. Februar 2009 – 20:08 | Gesellschaft | terry

2008 war das Jahr der Datenaffären. Das geht fast einmal quer durchs Alphabet und seit ein paar Wochen hängt auch die Deutsche Bahn mit drin. Selbst Menschen, die nicht Informatik oder ähnliches studiert und sich mit dem Thema auseinandersetzen, dürften mittlerweile den Beauftragten des Bundes für Datenschutz Peter Schaar kennen. Reicht Herr Schaar noch aus?

Um eines direkt ganz klar zu stellen: Ich glaube, dass Peter Schaar seine Sache sehr gut macht. Leider gelangt er in letzter Zeit zu einer Berühmtheit, die er sich in der Ausfürhung seines Amtes wohl lieber nicht wünschte.

Zu Erinnerung nochmal die großen Fälle der letzten Monate:

  • Lidl 1 2 3 4 5 (zweite Runde?)
  • Telekom 1 2 3 4 (oha, Besserung in Sicht?)
  • Bahn 1 2 3 4 5 6 (es bleibt spannend)

Grundsätzlich muss jedes Unternehmen und jede Behörde ab einer gewissen Größe einen Datenschutzbeauftragten stellen, wenn personenbezogene Daten elektronisch verarbeitet werden. Die Länder und auch der Bund wachen über die Einhaltung der Vorschriften. Und da der informationelle Datenschutz eng mit IT-Sicherheit zu tun hat(te) leitet Peter Schaar eben genau diese Behörde, die sich BFI nennt.

Der Bundesbeauftragte kontrolliert und berät Bundesbehörden, andere öffentliche Stellen des Bundes, [..]. Er berät und kontrolliert die Durchführung von Sicherheitsüberprüfungen nach dem Sicherheitsüberprüfungsgesetz des Bundes, auch soweit sie private Unternehmen betreffen. (via Wikipedia)

Der Bund also ist für die Privatwirtschaft gar nicht zuständig, das erledigen die Länder. Ich sehe ein Problem: Der Datenschutz ist – das haben die letzten Jahre gezeigt – kein Fall mehr von alleiniger Informationssicherheit. Immer häufiger sind es nicht Sicherheitslücken, sondern Korruption oder schlichte Bespitzelung, die Daten-Gaus in großen und kleinen Unternehmen auslösen.

Meine Vermutung ist, dass nur ein Teil der Fälle wirklich an die Oberfläche kommt. In Zeiten von Datenkrakerei (Google lässt grüßen), scheint die informationelle Selbstbestimmung nur noch eine Worthülse zu sein und auf einmal ist vielleicht sogar die unantastbare Würde des Menschen in Gefahr?

Dies schreibt das BDSG vor:

Zweck dieses Gesetzes ist es, den Einzelnen davor zu schützen, dass er durch den Umgang mit seinen personenbezogenen Daten in seinem Persönlichkeitsrecht beeinträchtigt wird.

Leider wird der Datenschutz nicht im Grundgesetz geregelt, daher besteht auch keine direkte Sendungspflicht seitens der Regierungen. Genau wie die Drogenbeauftragte Sabine Bätzing kann der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar also nur zugucken, Empfehlungen ausprechen, aufklären. Was ihm fehlt sind Befugnisse, die er dringend bräuchte – gesetzgebende.

Die einzige Möglichkeit, die ihm regulär wirklich zur Verfügung steht, öffentlichkeitswirksam auf Missstände hinzuweisen, ist ein Bericht zur Entwiklcung des Datenschutzes, den er alle zwei Jahre der Regierung vorlegt. Ich fürchte, der nächste wird nicht gut ausfallen.

Als Minister hätte eine Bundesdatenschutzbeauftragter wenigstens die Möglichkeit, Gesetze zu formulieren und einzureichen. Er wäre gleichzeitig für sein Ressort verantwortlich und hätte weit mehr personelle Ressourcen als der arme Peter Schaar, der einem – trotz seiner acht Fachreferate, die ihm unterstehen – manchmal wie ein Einzelkämpfer vorkommt, zur Verfügung.

Ein eigenes Ministerium wäre vielleicht derzeit noch zuviel. Aber selbst der Verbraucherschutz hat im Landwirtschaftsministerium ein Zuhause gefunden – vielleicht der Datenschutz im Wirtschaftsministerium oder in einem erweiteren Verbraucherschutzministerium?

Was denkt Ihr? Evtl. könnte ja auch sein, dass die Gewährleistung von Datenschutz und die Aufklärungsrate mit einem Beauftragten für Datenschutz weit höher liegt, da es sich nicht um Politik handelt?

Derzeit suchen im Übrigen auch Wissenschaftler und Experten in Berlin nach einer Lösung, die in weiter Ferne scheint, denn beim Datenschutz müssen das Internet und die reale Welt in Einklang gebracht werden.

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  1. 6 Kommentare

  2. Auf jeden Fall braucht Deutschland keinen Mehdorn!

    Wer ihn weghaben will, kann sich an der
    Mail-Aktion “Entlassen Sie Herrn Mehdorn!” von http://www.campact.de beteiligen.

    Kick him!

    SoberPhobic am Feb 11, 2009

  3. Also ich denke, dass die Idee, den Datenschutz in das Verbraucherschutz-Ministerium einzugliedern schon sinnvoll wäre. Denn gerade hier hört doch die Freundschaft auf, wenn ich meine Daten an Unternehmen weiter gebe und die verkaufen die dann munter weiten oder reichen die im eigenen Konzern herum, sodass ich mit Werbung und sonstigem überflutet werde. Die Überwachung durch den Arbeitgeber, wie bei LIDL oder der Bahn ist dann die nächste Hürde, die man nehmen muss, denke ich. Weil es meiner Meinung nach einen Arbeitgeber auch nichts angeht, was man in seiner Freizeit tut. Würde es hierzu einfach mehr Möglichkeiten geben, wäre der Datenschutz auch wieder das, was er sein soll, ein Schutz der Daten.

    Sven am Feb 15, 2009

  4. Ganz sicher werden die Fälle an Überwachung und Datenmissbrauch erheblich zunehmen und da kann auch ein “Datenschutzminister” m.E. nicht wesentlich was daran ändern. Die drei aktuellen Fälle sind doch auch nur die spitze des Eisbergs. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich höher als wir alle denken…oder befürchten!

    holger am Feb 20, 2009

  5. Da sollte doch der Datenschutz erst einmal im Grundgesetz aufgenommen werden, damit sich hier endlich wieder einmal etwas bewegt. Jeder kennt es doch selbst, da bekommt man Werbepost von Firmen, von denen hat man noch nie etwas gehört. Oder genauso sind immer wieder die lästigen Anrufe, da. Ich frage mich oft, wie gewisse Leute an meine Daten kommen, denn meine Telefonnummer steht in keinem Telefonbuch und auch die Auskunft gibt sie nicht raus. Also wie kann das dann passieren?

    Birge am Feb 27, 2009

  6. Es wird ja in Deutschland immer schlimmer. Bin der Überzeugung das viele große Unternehmen in Deutschland Datenmißbrauch betreiben. Muß ja nicht immer das Bespitzeln der Angestellten sein. Zum Beispiele auch die Weitergabe von Kundendaten und soweiter. Das gehört ja anscheinend längst zum Alltag der Firmen. Da müssen wir auch die Behörden und Ämter umstellen müssen

    karsten am Mrz 4, 2009

  7. Also da kann ich Karsten nur zustimmen. Der Datenschutz zieht sich über so viele Felder, angefangen bei den öffentlichen Behörden, die einfach mal ein paar Daten raus geben, bis hin zu den großen Fällen der Bahn, von LIDL und Co. Aber bis sich was ändert, müsste erst einmal in der Regierung ankommen, wie wichtig Datenschutz ist. Und bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

    Marco am Mrz 8, 2009

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